Soli Deo Gloria – Gott Allein die Ehre

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«Ihr habt viele Götter» – warum der Hindu im Witz ertrinkt

Der Ayer beginnt ein Mantra zu rezitieren. Die Glocken läuten. Die Anwesenden richten ihren Blick auf die Gottheit und falten die Hände vor der Brust zum Gebet.

Einmal erklärte ich einem muslimischen Kollegen, dass die Glocken nicht bloss Teil eines Rituals sind. Sie dienen dazu, die Aufmerksamkeit der Gläubigen auf das Wesentliche zu lenken. Gespräche verstummen, abschweifende Gedanken werden unterbrochen, alltägliche Sorgen treten in den Hintergrund. Der Fokus richtet sich ganz auf Gott.

Ich fügte hinzu, dass viele Rituale im Hinduismus einen tieferen Sinn haben, den ich als Amateur-Hindu nicht immer vollständig verstehe. Gerade das macht sie für mich faszinierend. Es gibt immer wieder neue Zusammenhänge und Bedeutungen zu entdecken.

Der Kollege, den ich erst seit wenigen Minuten kannte, sprach bald eine Frage an, die Hindus häufig gestellt wird:

«Ihr habt ja auch viele Götter. Das finden wir nicht richtig.»

Damals fiel mir keine besonders schlagfertige Antwort ein. Im Nachhinein kam mir jedoch eine Geschichte in den Sinn, die gut zu diesem Thema passt.

Ein christlicher Pfarrer traf einst einen Swami. Der Pfarrer erzählte ihm folgende Geschichte:

Ein Hindu wollte mit einem Boot einen See überqueren. Plötzlich zog ein Sturm auf. Das Boot schwankte gefährlich, Wasser drang ein, und der Mann bekam Angst. Als das Boot beinahe kenterte, begann er zu beten:

«Om Namah Shivaya!»

Shiva hörte seinen Hilferuf und eilte herbei. Doch noch bevor er den Mann retten konnte, rief dieser:

«Om Namah Parvati! Bitte hilf mir!»

Darauf überliess Shiva die Rettung seiner Gemahlin. Doch auch Parvati wurde aufgehalten, denn der Mann betete erneut:

«Om Murugan Namaha!»

Während die Götter gewissermassen darauf warteten, wer nun zuständig sei, ging der Hindu unter.

Zur gleichen Zeit geriet in den USA ein Christ in Seenot. Er rief Jesus um Hilfe. Jesus kam und rettete ihn.

Der Pfarrer lächelte zufrieden und fragte den Swami:

«Verstehst du nun den Unterschied zwischen unserem Glauben und eurem?»

Der Swami lächelte zurück.

«Nicht ganz», antwortete er. «Zur gleichen Zeit ertrank vermutlich auch ein Christ in Afrika und ein weiterer in Asien, weil Jesus gerade in Amerika beschäftigt war. Bei uns Hindus wäre das nicht passiert. Shiva hätte gesagt: Ich gehe nach Afrika. Parvati, du gehst nach Amerika. Murugan, du gehst nach Asien.»

Natürlich könnte man einwenden, dass Gott nicht an einen Ort gebunden ist. Nach christlichem und islamischem Verständnis kann Gott überall zugleich gegenwärtig sein.

Doch wenn Gott überall zugleich sein kann, warum sollte Gott dann nicht auch in verschiedenen Formen erscheinen können?

Der Hinduismus wird oft für seine vermeintliche Vielgötterei kritisiert. In meinem Verständnis des Hinduismus gibt es jedoch einen Gott, der sich in vielen Formen offenbart. Es gibt einen göttlichen Ursprung, aber viele göttliche Erscheinungsformen.

S. D. G.