Soli Deo Gloria – Gott Allein die Ehre

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Wenn Geld heilig wird – Lakshmi, Kali und die Wurzel des Übels 

Kürzlich war ich in einem Tempel. Die Hauptgöttin, die dort verehrt wurde, hatte nach der Zeremonie einen Sari an. Sie wurde reich geschmückt – mit Blumen, Schmuck und sogar Geldnoten, die an ihrer goldenen Kette befestigt waren. In diesem Moment kam mir ein Gedanke: Das Materielle wird mit dem Femininen assoziiert. 

Das Wort materiell stammt vom lateinischen Wort mater ab und bedeutet Mutter. In der Bhagavad-Gita steht: 

«Die materielle Natur, eine meiner Energien, wirkt unter meiner Leitung und bringt alle Wesen hervor.» — Bhagavad-Gita 9.10 

In der vedischen Sicht ist die Mutter Prakriti die schöpferische Kraft Gottes. Sie ist das Weibliche, das Leben gebiert und nährt, während Purusha, das männliche Prinzip, Bewusstsein ist. 

Die Materie ist nichts Schlechtes. Sie ist die Mutter, die uns trägt – aber sie will, dass wir uns an unseren Ursprung erinnern. Wenn wir uns in ihren Formen verlieren, vergessen wir den Vater: das Bewusstsein. 

Die Geldgier ist eine Wurzel allen Übels 

Die Menschen haben mit Geld ein schwieriges Verhältnis, weil es im Hinduismus und auch im Christentum Aussagen gibt, die verwirren können – mich zumindest. 

Ist Geld des Teufels oder erstrebenswert? Ich hörte vor vielen Jahren das Argument: Wenn du reich bist, beweist das, dass du auf Gottes Wegen wandelst. Gott segnet dich mit Geld. Was möglich ist. Aber das heisst nicht, dass die Armen arm sind, weil sie nicht gläubig genug sind und sozusagen von Gott bestraft wurden. 

In der Bibel heisst es: Die Geldgier ist eine Wurzel allen Übels. Und man kann nicht zwei Herren dienen – Gott und dem Mammon. 

Diese Spannung zwischen Ablehnung und Wertschätzung des Geldes findet sich nicht nur im Christentum, sondern auch im Hinduismus. 

Auch im Hinduismus ist Geld ein Thema. Das Materielle ist weiblich. Geld ist weiblich. Im Tempel war es Schmuck der Göttin, ein Symbol von Lakshmi, der Gemahlin Vishnus. 

Wenn Reichtum mit Hingabe verwendet wird, ist er Lakshmi – eine göttliche Kraft, die Harmonie bringt. Wird er aber für Gier oder Macht genutzt, verwandelt er sich in Maya, in Täuschung. 

«Alles, was du tust, was du isst, was du gibst – tue als Gabe an mich.» — Bhagavad-Gita 9.27 

Kali wohnt im Gold 

Im Srimad Bhagavatam heisst es, dass der dunkle Einfluss von Kali (nicht verwechseln mit der Göttin Kali) im Gold wohnt. Kali (Sanskrit कलि kali, wörtlich: «Sorge», «Zank») ist im Hinduismus ein Dämon. Er wurde durch den tugendhaften Maharaja Parikshit gestellt und bestraft, weil er eine Kuh (Bhumi, die Erde) und einen Stier (Dharma, das Gesetz) gequält hatte. Kali wurde zwar nicht getötet, aber er musste Maharaja Parikshits Reich verlassen. Auf sein Bitten hin wurden Kali die Orte zum Verbleib zugewiesen, an denen Glücksspiel, Alkoholverzehr, nicht eheliche Sexualität und das Schlachten von Tieren stattfinden. Zudem wurde Kali gestattet, im Gold zu wohnen, da der Besitz von Gold unmoralisches Verhalten nach sich ziehe (Copy & Paste: Wikipedia.) 

Das zeigt: Weder Geld noch Gold sind an sich gut oder böse – entscheidend ist, wie wir damit umgehen. 

Das Messer ist neutral 

Ich möchte zum Abschluss einen Vergleich ziehen: Nehmen wir das Messer. Mit dem Messer kann man jemanden töten oder heilen. Das Messer ist neutral – unsere Absicht entscheidet. 

Genauso ist Geld neutral. Im Dienst Gottes wird es rein, im Dienst des Egos wird es zerstörerisch.  

«Wer ohne Anhaftung handelt und alles Gott weiht, wird nicht befleckt – wie ein Lotusblatt vom Wasser.» — Bhagavad-Gita 5.10 

Das Materielle ist nicht der Feind. Es wird heilig, wenn es für das Gute verwendet wird. Wenn Geld Gott dient, ist es Lakshmi. Wenn Lakshmi die Partnerin von Vishnu/Krishna ist. Wenn es das Ego nährt, ist es Kali. 

Heute ist Lakshmi-Puja – ein Tag zu Ehren von Lakshmi. 

S. D. G.