Soli Deo Gloria – Gott Allein die Ehre

• •

Vom Zyniker zum Bhakta: Warum wir unsere Tochter Sita nennen 

«Wie heisst eure Tochter?» – «Sita.» Ein zynisches Lachen, ein Kommentar: «Ihr gebt eurer Tochter einen heiligen Namen? Sita? Heutigen Mädchen und Frauen kann man nicht trauen. Das geht schief.» 

In diesem Artikel geht es nicht um den Frauenhass dieses Mannes oder um Feminismus, sondern um die Bedeutung der Namensgebung unserer Tochter. Warum Sita? Was bedeutet ein heiliger Name überhaupt? 

Die Geschichte von Ajamila 

Um die Bedeutung zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die Schriften. Dort finden wir die Geschichte von Ajamila im 6. Canto des Srimad Bhagavatam. 

Ajamila war ursprünglich ein reiner Brahmane, streng in seiner spirituellen Praxis. Er diente seinen Eltern, studierte die Veden und lebte rein. Doch eines Tages sah er zufällig, wie ein Mann und eine Prostituierte in intimer Weise zusammen waren. Dieser Sinneseindruck fesselte sein Herz, und er begann, an diese Frau zu denken. Schliesslich gab er seine spirituelle Praxis auf, verliess seine Familie und lebte mit dieser Frau zusammen. 

Mit ihr hatte er viele Kinder. Um die Familie zu ernähren, beging er Sünden: Betrug, Diebstahl, Glücksspiel und anderes. Er verfiel völlig in den Lebensstil eines Materialisten. Sein jüngster Sohn aber wurde Narayana genannt (Narayana = Name Gottes, Vishnu/Krishna). Ajamila war sehr an diesen Jungen gebunden und rief ständig dessen Namen. 

Als Ajamila alt und schwach war, kam der Tod. Die Yamadutas (Diener Yamas, des Todesgottes) kamen, um seine sündige Seele mitzunehmen. In Todesangst rief Ajamila: «Narayana! Narayana!» – weil er nach seinem Sohn rief. Doch der Name Gottes ist absolut: durch dieses Rufen wurde in Wahrheit der Herr angerufen. Sofort erschienen die Vishnudutas (Diener Vishnus) und verhinderten, dass die Yamadutas ihn mitnahmen. 

Ajamila bekam eine zweite Chance: er erkannte, wie mächtig der heilige Name ist. Er widmete den Rest seines Lebens echter Bhakti. Schliesslich ging er nach dem Tod in die spirituelle Welt (Vaikuntha). 

Die Lehre aus dieser Geschichte 

Die Lehre dieser Geschichte: Selbst wenn jemand tief fällt, ist er nie verloren, wenn er auch nur einmal den Namen Gottes ruft. Der heilige Name reinigt selbst den groessten Sünder. Aber: Die Schriften betonen, dass man diesen «Trick» nicht missbrauchen soll – also absichtlich sündigen und hoffen, dass der Name schon alles reinigt. 

In der Bhagavad Gita heisst es: 

«Und jeder, der sich am Ende seines Lebens, wenn er seinen Körper verlässt, an Mich allein erinnert, erreicht sogleich Meine Natur. Darüber besteht kein Zweifel.» 

Wenn man sein Leben erfolgreich beschliessen will, ist es unbedingt erforderlich, sich im Vorgang der Erinnerung an Krishna zu üben. Deshalb sollte man ständig und ohne Unterlass den maha-mantra chanten: 

Hare Krishna, Hare Krishna, Krishna Krishna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare. 

Warum wir Sita gewählt haben 

Und nun zurück zu unserer Tochter: Wieso Sita? Weil Sita die Gemahlin Ramas ist und ein Teil von Rama/Krishna. Sie verkörpert die weibliche Seite Gottes – Reinheit, Mut, Treue und Opferbereitschaft. Auch der Name von Sita hat grosse Auswirkungen. Er ist nicht zufällig gewählt, sondern eine bewusste Erinnerung an die Gegenwart des Göttlichen im Alltag. 

So wie Ajamila – trotz aller Fehler – durch den Namen Narayana gerettet wurde, so hoffen wir, dass auch unsere Tochter mit ihrem Namen immer wieder an das Göttliche erinnert wird. Ein Name ist mehr als ein Wort – er ist eine Brücke. Und so ist Sita für uns ein Bekenntnis: Das Heilige soll mitten im Leben wohnen, in der Familie, in der Zukunft. 

Und vielleicht, wenn Verwandte, Freunde oder sogar Fremde den Namen unserer Tochter rufen – «Sita!» –, berührt auch sie das Göttliche. Wer weiss: Vielleicht wird damit sogar der eine oder andere Zyniker unbewusst einen Schritt näher zu Bhakti geführt. 

S. D. G.