Offiziell bin ich Schweizer. Meine Herkunft liegt in Sri Lanka. Dementsprechend sehe ich aus: maximal pigmentiert. Maximaler als die üblichen Tamilen, wenn ich meine Verwandten und Bekannten näher unter die Lupe nehme. Ich bin das schwarze Schaf. Määäh!
Ich fühlte mich dennoch angenommen und geliebt von meiner Familie: Ich war ich, das genügte. Darüber hinaus hatte ich meine Stärken – und ich war ein einfaches Kind.
Die Schönheitsfanatiker hingegen sahen schwarz. Hellere Haut wird mit hoher Stellung im Kastenwesen gleichgesetzt. Dies ist auch noch heute, anno 2025, in vielen Köpfen verankert.
Böse Blicke und Kommentare
In der Schweizer Gesellschaft fühlte ich mich mitunter ebenfalls ausgestossen. Wegen meines Aussehens bekam ich hin und wieder böse Blicke und Kommentare ab.
In meiner Kindheit konnte ich diese unangenehmen Situationen gut wegmoderieren oder -lächeln. Je älter ich wurde, desto verletzter war ich. Ständig war ich im Verteidigungsmodus. Es ging so weit, dass ich fast alle unfreundlichen Gesichter immer als Beweis für den latenten Rassismus gegen mich erkannte. Meine negativen Erfahrungen führten schliesslich zu Vorurteilen gegenüber vielen Menschen meinerseits.
Seit wir vor zwei Jahren in einen anderen Kanton umgezogen sind, fühlte ich mich recht häufig genötigt, meine schulischen und beruflichen Erfolge den Menschen unter die Nasen zu reiben. Ich wollte meine Haut so teuer wie möglich verkaufen. Wenn ich die Chance nicht erhielt, mich mit Status zu beweisen, war ich für Stunden innerlich erregt.
Meine Mutter brachte die hohe Mauer, die ich mit der Zeit aufgebaut hatte, ins Wanken. Sie meinte nur: Auch andere Menschen kennen in ihrem eigenen Leben schlechte Zeiten und vergessen deshalb zu lächeln und freundlich zu sein. Es hat nichts mit mir zu tun.
Zusätzlich hilfreich waren die Erfahrungen mit zahlreichen neuen Bekanntschaften. Ich habe sehr viele griesgrämige Menschen gesehen, die im späteren persönlichen Gespräch sehr aufmerksam und interessiert waren. Ich weiss jetzt auch, dass die Schweizer eher zurückhaltender sind, aber mit der Zeit auftauen und dann letzten Endes für einen auch einstehen können.
Die ganze Mauer haben schliesslich viele Verse aus den vedischen Schriften zum Einsturz gebracht. Hier nur ein Beispiel:
Jemand, der sieht, dass die Überseele überall, in allen Lebewesen, in gleichem Masse gegenwärtig ist, erniedrigt sich nicht durch seinen Geist. So nähert er sich dem transzendentalen Ziel. (Bhagavad Gita, 13.29)
Gott weilt im Herzen eines jeden. Wenn ich die Gegenwart Gottes in jedem Lebewesen sehe, kann ich Mauern abreissen und Brücken bauen. Und der Herr ist mein Hirte.
S. D. G.