Soli Deo Gloria – Gott Allein die Ehre

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Krishna – die Sonne meines Lebens 

Was steht wirklich im Mittelpunkt unseres Lebens? Ist es die Familie? Der Beruf? Das eigene Ego, das ständig mehr will? Oder ist es etwas Tieferes, Ursprünglicheres – etwas, das allem anderen erst Sinn und Richtung gibt? 

Diese Fragen stellte ich mir besonders intensiv, als wir den ersten Geburtstag unseres Kindes feierten. Anders als es vielleicht viele erwartet hätten, organisierten wir keine grosse weltliche Feier. Keine laute Party, kein opulentes Festbankett. Stattdessen entschieden wir uns dafür, diesen besonderen Tag im Tempel zu verbringen – im Haus Gottes. 

Es war eine bewusste Entscheidung. Wir wollten zeigen: Gott ist das Zentrum. Nicht der gesellschaftliche Erwartungsdruck, nicht die Meinung anderer – sondern die Beziehung zu Bhagavan, zu Gott, sollte im Mittelpunkt stehen.  

Nicht alle verstanden diesen Schritt. Wieso auch immer. Bis heute weiss ich es nicht. Aber tief in unserem Herzen wussten wir: Das grösste Geschenk, das wir unserem Kind machen konnten, war nicht Kuchen oder Geschenke – sondern ein klarer Anfang. Ein Anfang, der Gott in die Mitte stellt. 

Der Ursprung allen Seins 

Diese Erfahrung erinnerte mich an eine wunderbare Weisheit aus dem Tirukkural, einem alten spirituellen Werk aus Südindien. 
Gleich im ersten Vers heisst es: 

Wie der Buchstabe A der Ursprung des Alphabets ist, so ist Gott der Ursprung der Welt. 
(Tirukkural 1) 

Ohne das A gibt es kein Alphabet. Ohne Gott gibt es keine Existenz, keinen Sinn, keine Richtung. Alles beginnt mit Ihm. 

Auch die Bhagavad-Gita bestätigt diese Wahrheit. Krishna sagt dort: 

Ich bin die Quelle aller spirituellen und materiellen Welten. Alles geht von mir aus. 
(Bhagavad-Gita 10.8) 

Krishna, Bhagavan, erklärt, dass alles, was existiert – jede Seele, jede Welt, jede Kraft – letztlich aus Ihm hervorgeht. Er ist nicht nur ein Teil von allem. Er ist der Ursprung, die Mitte und schliesslich das Ziel. 

Wenn wir das wirklich verstehen, kann unser Leben nicht mehr wie bisher weitergehen. Dann erkennen wir: Gott steht nicht am Rand unseres Lebens. Er ist das Zentrum, um das sich alles drehen sollte. 

Das erste Gebot – eine ewige Wahrheit 

Auch die Bibel erinnert uns unmissverständlich an diese Wahrheit. 
Im ersten der Zehn Gebote heißt es: 

Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. 
(2. Mose 20,3) 

Das bedeutet nicht nur, keine anderen Gottheiten anzubeten. 
Es bedeutet auch: Keine anderen Prioritäten über Gott zu stellen. 
Weder Familie noch Karriere, noch Geld, noch Ruhm, noch das eigene Ego dürfen den ersten Platz einnehmen, der allein Gott gehört. 

Und wenn wir Gott dort verankern, dann ordnet sich auch der Rest unseres Lebens auf wundersame Weise. 

Die Sonne und die Planeten – ein himmlisches Gleichnis 

Ein schönes Bild dafür finden wir auch in der vedischen Astronomie: das System der Navagrahas – der neun Himmelskörper. Im Zentrum steht die Sonne. Um sie herum kreisen alle anderen Planeten. 

Die Sonne ist das Herz des Sonnensystems. Ohne sie gäbe es kein Licht, keine Wärme, kein Leben. Würde ein Planet plötzlich beschliessen, sich von der Sonne zu entfernen oder selbst zum Zentrum zu machen – das System würde kollabieren. 

Genauso ist es mit unserem Leben. Wenn Gott in der Mitte bleibt, läuft alles in geordneten Bahnen. Wenn wir etwas anderes ins Zentrum stellen, geraten wir aus der Balance. 

Eine Einladung an dich und mich 

Vielleicht ist es an der Zeit, innezuhalten und sich ehrlich zu fragen: 

  • Wer oder was steht wirklich im Zentrum meines Lebens? 
  • Ist es Gott – oder vielleicht doch mein Wunsch nach Anerkennung, Sicherheit oder Vergnügen? 
  • Und: Was würde sich ändern, wenn ich Gott wieder den Platz gäbe, der Ihm zusteht? 

Es geht nicht darum, das weltliche Leben zu verleugnen. Es geht darum, seine wahre Ausrichtung zu finden. Wenn Gott das Zentrum ist, dann werden auch Familie, Arbeit, Beziehungen und sogar unser eigenes Selbst in ein neues, leuchtendes Gleichgewicht kommen. 

Krishna sagt in der Bhagavad Gita: Ich weile im Herzen eines jeden. Vielleicht können wir heute gemeinsam einen kleinen Schritt machen: Ihn bewusst in unser Herz einladen, Ihm wieder die Mitte schenken.  

S. D. G.