Soli Deo Gloria – Gott Allein die Ehre

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Ich bin ein Seelenwanderer: Warum die Schweiz oder Sri Lanka nur Zwischenstopps sind 

Kürzlich habe ich zum zweiten Mal «Der Kleine Prinz» von Saint-Exupéry gelesen. Der Kleine Prinz reist von Planet zu Planet, begegnet verschiedenen Lebewesen und sammelt dabei wertvolle Erfahrungen. Seine grösste Entdeckung ist, dass man mit dem Herzen sehen muss – das Wesentliche bleibt den Augen verborgen. In diesem Artikel möchte ich jedoch eine andere Perspektive aufgreifen: das Wandern. 

Das Wandern ist ein Nationalsport der Schweizer. Die nahen Wälder und Berge, die Seen, Flüsse und Täler laden zum Durchschreiten, Verweilen und Luftschnappen ein. 

Heutzutage wird in der Freizeit gewandert. Früher sah es anders aus – nicht minder lustvoll. 

Das Wandern ist des Müllers Lust, das Wandern! Das muss ein schlechter Müller sein, dem niemals fiel das Wandern ein. 

Das Gedicht Das Wandern ist des Müllers Lust, später die vertonten Lieder, stammen aus dem beginnenden 19. Jahrhundert. Handwerksgesellen mussten damals auf Wanderschaft gehen, um sich in der Fremde Kenntnisse in ihrem zukünftigen Beruf anzueignen (Quelle: Google). 

Andere wiederum – heute und früher – gingen auf Pilgerreisen. Ich bin dann mal weg, sagte der deutsche Entertainer Hape Kerkeling. Er packte seine Sachen und wanderte nach Santiago de Compostela. Sein Wanderbericht zeugt von schwierigen Episoden – Wandern ist manchmal auch Frust. 

Wenn Menschen auswandern, ja flüchten, kann Wandern gefährlich sein. Wandern heisst auch Tod – oder die Verheissung auf ein besseres Leben. 

Ich lebe hier, bin aber nicht von hier 

Auch wir Seelen gehen auf Wanderung. Nicht immer ist es lustig. Nicht immer ist es freiwillig. Wir sind Seelen in einem menschlichen Körper. Der uns bekannte Tod ist nur der Anfang eines neuen Lebens in einem neuen Körper. Der Tod kann im hohen Alter im Schlaf kommen. Der Tod kann auch abrupt eintreten – durch Mord oder Selbstmord. 

Wir wechseln unsere Körper. Wir reinkarnieren. Ständig. Heute bin ich 40 Jahre alt, männlich, Amerikaner und Landwirt. Im nächsten Leben bin ich eine Frau, Inderin und IT-Professorin. Wieder im nächsten Leben bin ich eine Frau, auf der Suche nach Gott. 

Wie ein Mensch alte Kleider ablegt und neue anzieht, so gibt die Seele alt und unbrauchbar gewordene Körper auf und nimmt neue materielle Körper an. (Bhagavad Gita 2.22) 

Einige kommen gerne zurück auf die Erde oder wandern los und durchstreifen andere Gegenden im Universum. Andere sind ausgewandert – sie möchten zurück nach Hause. Aber wandern müssen wir alle. Wie lange und wohin, das entscheidet jeder selbst. 

Wenn mich jemand fragt, ob ich Schweizer oder Tamile bin, sage ich: Ich bin eine spirituelle Seele auf einer Wanderung. Es ist so, wie wenn ich von Zürich nach Colombo fliegen möchte und kurz in Dubai einen Zwischenstopp mache. Auch jetzt bin ich nur auf der Erde im Transit. Oder wie Jesus sagte: Ich lebe hier, aber ich bin nicht von hier. 

S. D. G.