h habe beschlossen, den Film Weapons nicht zu sehen – oder vielleicht doch? Die Meinungen meiner drei Lieblings-Filmkritiker auf Youtube sind einheilig. Ich bin innerlich zerrissen.
«Ein Meisterwerk. Leute, gebt euch diesen Film.»
«Wegen Filmen wie diesem liebe ich das Kino.»
«Der beste Horrorfilm bisher.»
Die ersten fünf Jahre meines Lebens wohnte ich oberhalb eines Kinos. Einer meiner frühesten Kindheitserinnerungen ist das Herumtollen mit meiner Schwester in einem leeren Saal.
Wir rannten zwischen den Sitzreihen umher, lachten, hatten einfach Freude.
Zuhause liefen ständig tamilische Filme – vor allem jene von Rajinikanth. Wenn einer seiner Filme kam, war das immer ein Familien-Happening.
Kino war ein Teil meiner Kindheit. Auch heute gehe ich sehr gerne ins Kino – notfalls auch allein.
Ich liebe Filme. Und genau deshalb fällt mir die Entscheidung schwer: Soll ich mir diesen hochgelobten Horrorfilm wirklich geben?
Meine Vergangenheit mit düsteren Geschichten
Schon als Kind las ich leidenschaftlich Detektivgeschichten. Später entdeckte ich Krimis – erst klassische wie Hercule Poirot oder Sherlock Holmes, später düstere skandinavische Thriller. Doch als die Gewalt darin immer brutaler beschrieben wurde, merkte ich: Das ist nicht mehr mein Ding.
Eine Serie, die ich gerne begann, aber nie beendete, war Supernatural. Darin jagen die Brüder Sam und Dean Winchester übernatürliche Wesen, seit ihre Mutter von einem Dämon getötet wurde.
Ich weiss noch: Während meiner Studienzeit wohnte ich allein in einem kleinen Zimmer. Toilette und Dusche waren auf dem Gang. Eines Nachts sah ich Supernatural, musste dann aufs WC – und hatte plötzlich richtig Schiss. Ich meinte, Schritte zu hören, Geräusche aus der dunklen Gemeinschaftsküche. Also pfiff ich nervös vor mich hin, rannte aufs WC – und wieder zurück. Seitdem habe ich die Serie nie beendet.
Auch Horrorfilme im Kino hinterliessen Spuren. Nach Saw erzählte mir ein Freund, er habe zuhause alle Schränke und unter dem Bett nachgeschaut – nur um sicherzugehen, ob die Luft rein ist.
Was die vedische Philosophie dazu sagt
Neulich hörte ich in einem indischen Podcast von einem extrem erfolgreichen Horrorfilm. Laut einem beim Podcast eingeladenen Geisterjäger wurden bei den Dreharbeiten tatsächlich Geister beschworen – was den Film noch gruseliger mache.
Auch bei Supernatural solle es Szenen geben, in denen echte Mantras gesprochen werden. Das war für mich der Punkt: Hell no! Ich schwor mir, keine Horrorgeschichten mehr anzuschauen. Wobei … manchmal fällt es mir schwer, mich daran zu halten.
Die Bhagavad-gītā (9.25) sagt:
«Diejenigen, die die Halbgötter verehren, gehen zu den Halbgöttern; diejenigen, die die Vorfahren verehren, gehen zu den Vorfahren; diejenigen, die Geister und Gespenster verehren, werden unter solchen Wesen geboren; und diejenigen, die Mich verehren, kommen zu Mir.»
Natürlich betet niemand Geister an, nur weil er einen Horrorfilm sieht. Aber: Aufmerksamkeit ist wie eine Form der Verehrung. Was wir oft anschauen, hören oder denken, prägt unser Bewusstsein.
Wie beim Autokauf: Als wir einmal einen Dacia ins Auge fassten, sahen wir plötzlich überall Dacias. Als meine Frau schwanger war, fiel uns ständig auf, wie viele Schwangere und Kinderwagen es gibt. Unser Geist zieht an, womit er sich beschäftigt.
Wenn Dunkelheit den Geist nährt
Die Bhagavad-gītā (14.8) beschreibt Tamas:
«O Nachkomme Bharatas, wisse, dass die Erscheinungsweise der Dunkelheit, geboren aus Unwissenheit, die Täuschung aller verkörperten Lebewesen verursacht. Die Folgen dieser Erscheinungsweise – Verrücktheit, Trägheit und Schlaf – binden die bedingte Seele.»
Srila Praphupada erklärt:
Jeder, der unter dem Bann der Erscheinungsweise der Unwissenheit (Tamas) steht, wird verrückt, und ein Verrückter kann nicht verstehen, was was ist. Anstatt Fortschritt zu machen, macht man Rückschritt.
Horrorfilme sind meist voll von Gewalt, Angst und Verzweiflung – alles Eigenschaften von Tamas. Sie ziehen den Geist nicht nach oben, sondern hin zu Schwere und Unruhe.
Das Śrīmad-Bhāgavatam (1.5.11) sagt:
«Die heiligen Namen des Herrn reinigen das Herz sofort von allen Anhaftungen an Illusion.»
Wenn heiliger Klang reinigt, dann verschmutzt verunreinigender Klang (und ebenso Bilder) das Herz in die entgegengesetzte Richtung.
Meine Entscheidung
Weapons – schon der Titel klingt nach Waffen und Gewalt.
Ich verzichte. Stattdessen schaue ich lieber Filme, die mein Herz erheben, nicht beschweren.
S. D. G.