Soli Deo Gloria – Gott Allein die Ehre

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Für wahr-nehmen

Häufig ist es ein Ausflug zu dritt. Da meine Frau sehr viel um die Ohren hatte, riet ich ihr, eine Pause einzulegen. Ich bot ihr an, mit unserer Tochter dieses Mal alleine zu fahren.  Sita und ich fuhren zur Turnhalle und parkierten etwas fern der Turnhalle. Wir schlenderten zum Eingang. Zwei Paare mit ihren Kindern erklärten uns vor der Türe, dass die Halle voll sei. Bis zu 100 Menschen seien anwesend. 

Sita war enttäuscht, sie wollte jedoch unbedingt selbst die Halle sehen. Deshalb gingen wir rein. Auch da wurden wir von der Leiterin des Turnmorgens darauf hingewiesen, dass es schwierig sei, Platz zu finden. Sie riet uns aber zu warten. Wir sassen im Vorraum und assen unser Znüni, bis es sich lichtete und wir nach einigen Minuten in die Halle spielen gehen durften. 

Wir hatten unseren Spass. Sita kletterte die Sprossen hoch, sie rutschte die Bänke herunter oder liess in der Schaukel die Seele baumeln. Wir spielten auch mit einem weichen Volleyball und waren nahe der Wand. An der Wand lagen jeweils die Rucksäcke der Kinder und der Eltern. 

Ein Ball flog in Richtung eines gelben Rucksacks. Ich konnte ihn vor dem Rucksack noch fangen und spielte den Ball in Sitas Richtung. Einige Augenblicke später kam eine Frau und schaute verstohlen zu mir; ohne Worte nahm sie den gelben Rucksack und schnallte ihn sich an.  

Die Zeit stand still. 

Ich konnte die Welt nicht mehr verstehen. Alles rund um mich wurde verschwommen, die Stimmen in der Halle klangen gedämpft. Ich spürte, wie mein Herz schneller schlug und meine Hände kalt wurden. Ich war bewegungsunfähig, sprachlos, weil ich unter Schock stand. 

Dachte die Frau, ich wollte ihren Rucksack stehlen?  

Missverständnis 

Ich erinnerte mich an eine Geschichte: Ein Mann ging aus seinem Haus, er lief die Strasse hinunter zu seinem Arbeitsplatz. Als er die Kreuzung überqueren wollte, sah er auf dem Boden etwas Braunes und Langes. 

Vor Schreck fiel er um. Er hielt seine Brust fest und schrie. Einige Menschen im Umfeld hörten den Mann und riefen einen Krankenwagen. Leider zu spät. Der Mann verstarb noch auf der Fahrt ins Spital an einem Herzinfarkt. Als die Polizei die Zeugen befragte, was geschehen war, sagten alle, dass sie den Mann nur schreien hörten: «Schlange, Schlange!» 

Nach einigen Augenblicken, die sich wie eine Ewigkeit für mich anfühlten, schaute ich in die Runde. Die Frau war nicht mehr zu sehen. Die Spielstunde in der Turnhalle war nahe dem Ende. Ein Gedanke kam unverhofft auf: Die Frau wollte mit ihrer Tochter nach Hause und holte den Rucksack. 

S. D. G.