Nicht für mich. Ich möchte in Würde altern.
Ich könnte die grauen Haare reduzieren, indem ich auf die Ernährung achte. Auf Instagram sehe ich Tipps, wie man schönere Haare bekommt und graue Haare minimiert, indem man gewisse (gesunde) Lebensmittel isst. Graue Haare entstehen, wenn man nicht die richtigen Nährstoffe aufnimmt. Ich recherchiere weiter.
Eine andere Möglichkeit wäre, meine Haare chemisch zu färben. Das möchte ich nicht. Momentan lasse ich sie so spriessen, wie sie spriessen – wenn sie überhaupt wachsen. Meine Glatzenbildung möchte ich nicht operativ in der Türkei korrigieren. Wenn ich eine Glatze bekommen sollte, dann ist es so.
Ich wäre vielleicht sogar erleichtert. Die Gaudiya-Vaishnava-Anhänger rasieren ihre Köpfe und Bärte. Wieso? Weil es reinlicher und einfacher ist. Und: Man zeigt, dass einem das Äussere nicht so wichtig ist.
Da ich noch ein wenig eitel bin und mich bisher nicht als Mönch sehe, bleiben die Haare dran. Ich möchte da nicht nachhelfen.
Der Körper als Werkzeug, nicht als Identität
Auch nicht nachhelfen möchte ich mit Ozempic. Kürzlich wurden die Nobelpreise vergeben – jemand brachte sogar die Ozempic-Entdecker für den Medizin-Nobelpreis ins Spiel.
Ich kann Menschen verstehen, wenn sie sich aus gesundheitlichen Gründen etwas spritzen oder sich unters Messer legen – seien es körperliche oder psychische Gründe. Sich verschönern zu wollen, einfach weil schön sein schön ist, dafür habe ich weniger Verständnis.
Früher wäre ich gerne attraktiver gewesen, um mehr Aufmerksamkeit für mich zu generieren. Heute möchte ich die Aufmerksamkeit auf den All-Attraktiven lenken.
Was bedeutet unter anderem der All-Attraktive auf Sanskrit? Krishna.
Ich habe mich auch mit meinem Aussehen arrangiert, weil ich weiss, dass ich nicht mein Körper bin. Ich habe eine zu kurze Nase und eine dunkle Hautfarbe? So be it.
Ich habe einen Körper, wie ich ein Auto besitze. Ein Auto kann natürlich schnittig sein – man muss es pflegen und hegen –, aber wir sind nicht das Auto, wir sind die Fahrer.
Schliesslich geht es darum, dass wir mit dem Auto von A nach B kommen. Mein Körper bringt mich auch von A nach B.
Mein Körper hilft mir, Krishna zu dienen – egal, wie er auch aussehen möge.
Ich bin nicht die grauen Haare oder die Glatze, ich bin nicht der flache Bauch und der Sixpack. Der Körper mag altern, grauer werden, dünner werden, sogar zerfallen – ein besonnener Mensch wird durch einen solchen Wechsel nicht verwirrt (Bhagavad Gita 2.13) – aber ich bleibe ewig.
Ich bin die Seele. Die Seele ist wunderschön, weil sie Teil der göttlichen Schönheit Krishnas ist.
S. D. G.