Soli Deo Gloria – Gott Allein die Ehre

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Der grosse Schweiger: Vom Reden über Gott und vom Meiden des Unsinns 

Ich war schon immer ein ruhiger Zeitgenosse. In meinen vier Wänden oder unter vier Augen kann ich auch mal zu Redeschwallen neigen – meine Frau kann ein Lied davon singen. Aber grundsätzlich bin ich introvertiert. Ich brauche immer wieder Zeit für mich, um aufzutanken, mir Gedanken zu machen und Blogartikel zu schreiben. 

Heute habe ich mich fast damit abgefunden. Es gab lange eine Zeit, in der ich mich unter Druck gesetzt habe, «outgoing» zu sein, um Teufel komm raus. Ich dachte, ich komme zu kurz, wenn ich mich nicht erkenntlich zeige. 

Wir hatten einmal im Training einen Besuch von einem Profifussballer. Ich war 10 Jahre alt. Nach dem Training verteilte er Stoppuhren. Da ich nicht aufmuckte, ging ich leer aus. Die anderen «offensiven» Mitspieler erhielten ein grossartiges Souvenir. Ich wurde kritisiert, dass ich nicht dafür gekämpft habe. 

Kürzlich habe ich mir auf YouTube ein Video angeschaut, in dem ein junger, besonnener Mann auf Frauensuche ging. Alle Frauen hatten einen Grund, ihn abzuservieren. Häufig wurde genannt, dass er zu lieb, schüchtern oder zu ruhig sei. 

In der Schule und auch im Beruf habe ich häufig gesehen, dass Menschen übergangen werden, die still und fleissig ihren Job erledigen. Und die Lauten? Die machten Karriere. 

Stille Führer 

Ich wünsche mir immer noch, ich wäre gesprächiger, sozialer, extrovertierter. Dennoch finde ich immer mehr meinen Frieden, weil ich auch positive Erfahrungen mit meiner Art gemacht habe.  

Im Fussball war ich häufig Kapitän unserer Mannschaft. In der ersten Projektwoche an der Universität St. Gallen gaben mir zwei Mentoren das Feedback, dass sie sich vorstellen können, dass ich in Zukunft ein Team leiten könnte. 

Von meinem Chef habe ich schon gehört, dass die Mitarbeiter sogar froh sind, wenn die Leiter ruhige Gesellen sind. Das helfe dem Arbeitsklima. 

In der letzten Zeit gab es auch immer wieder Essays, Artikel oder Bücher über das Thema: stille Führer, die Erfolg im Leben haben. 

Schweigen ist Gold 

Ich habe mich auch fast damit abgefunden, ein grosser Schweiger zu sein, da ich in der Bhagavad Gita beruhigende Worte gelesen habe: …wer immer schweigsam ist, der ist Krishna lieb (Bhagavad Gita 12.19). 

In der Erklärung von Bhaktivedanta Swami Prabhupada steht: Der Gottgeweihte spricht über kein anderes Thema als Krishna; deshalb heisst es, dass er schweigsam ist. Schweigsam zu sein bedeutet nicht, dass man nichts sagen sollte; es bedeutet vielmehr, dass man keinen Unsinn spricht. Man sollte nur über Wesentliches sprechen, und das Wesentlichste für einen Gottgeweihten sind Themen, die mit dem Höchsten Herrn verbunden sind. 

Krishna sagt in der Bhagavad Gita:  

Die Gedanken Meiner reinen Geweihten weilen in Mir, ihr Leben ist völlig Meinem Dienst hingegeben, und sie erfahren grosse Zufriedenheit und Glückseligkeit, indem sie sich ständig gegenseitig erleuchten und über Mich sprechen (10.9). 

Wie es in einem Sprichwort heisst: Schweigen ist Gold, Reden ist Silber. Lasst uns also mehr schweigen oder weniger Unsinn reden und mehr über Gott sprechen. Und glücklich sein. 

S. D. G.